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Endlich ein Schritt voran!

Naturmedizin soll an Universitäten kein Stiefkind bleiben
Neugegründeter Expertenkreis Naturmedizin hat zum Ziel, die Forschung und Lehre zu Naturheilverfahren zu fördern


HAMBURG. Wirksam gegen die Beschwerden und keine schädlichen Nebenwirkungen - das versprechen sich Verwender von Arzneimitteln aus der Natur. Offensichtlich erfüllt die "sanfte Medizin" die Erwartungen - immerhin verwenden 72 Prozent der Deutschen Naturheilmittel, wie das Institut für Demoskopie Allensbach in seiner Trendstudie 'Naturheilmittel 2002' festgestellt hat. Die vermeintlich bessere Verträglichkeit ist dabei ein wichtiges Argument.

So schätzen nach den Ergebnissen der Studie 82 Prozent der Bevölkerung die Gefahr von schädlichen Nebenwirkungen bei Naturheilmitteln als gering ein. Dagegen sehen 47 Prozent die Gefahr von schädlichen Nebenwirkungen bei chemischen Arzneimitteln als mittel, 38 Prozent als groß an. 92 Prozent der Verwender von Naturheilmitteln berichten über eine positive Wirksamkeit.

Dementgegen stehen die unbefriedigende wissenschaftliche Datenlage zur Wirkung und zu Nebenwirkungen von Naturheilmitteln und das geringe Angebot der naturheilkundlichen Lehre an den deutschen Hochschulen. "Die Ausbildung deutscher Ärzte in Naturheilkunde ist inhomogen, insgesamt unzureichend oder gar nicht vorhanden", bemängelte Dr. Andrea Wartenberg-Demand von der Pharma Forschung GmbH in Gießen bei einer Pressekonferenz des neugegründeten Expertenkreises Naturmedizin in Hamburg.

Einen Lehrstuhl für Naturheilkunde gibt es nur in Berlin und Ulm. Und nur zwei Drittel der 36 humanmedizinischen Fakultäten in Deutschland bieten Lehrveranstaltungen zur Naturheilkunde an. Dies hat die vom Expertenkreis Naturmedizin initiierte Pascoe-Studie 2002 ergeben, die das Lehrangebot zur Naturmedizin an medizinischen Hochschulen erfaßt hat.

An den Universitäten werden überwiegend nur ein bis zwei Veranstaltungen im Semester angeboten. Die meisten Veranstaltungen (31 Prozent) behandeln allgemein das Thema Naturheilkunde. Weitere Themen sind naturmedizinische Pharmakologie (14 Prozent), Homöopathie (14 Prozent), Akupunktur (12 Prozent) und Phytotherapie (10 Prozent).

"Wissen im Bereich Naturmedizin eignen sich Ärzte meist erst nach dem Studium und nur durch Eigeninitiative an", so die Gießener Ärztin für Naturheilverfahren. Die Zusatzbezeichnung 'Naturheilverfahren' führen 20 000 Ärzte in Deutschland.

Vom geringen Stellenwert der Naturmedizin an den deutschen Universitäten ist der Sprecher des Expertenkreis Naturmedizin, Prof. Harald Schmidt vom Universitätsklinikum Gießen, enttäuscht: "Nach unserer Überzeugung sollte eine umfassende medizinische Ausbildung auch Kompetenz in wirksamen naturmedizinischen Therapien enthalten. Deshalb fordern wir ein adäquates Lehrangebot." Der Expertenkreis will einen Minimalkonsens zu etablierter Naturmedizin herbeiführen sowie die Forschung und Lehre fördern, so Schmidt.

Auch in der medizinischen Wissenschaft sind naturheilkundliche Therapien kaum präsent, wie Prof. Edzard Ernst von der Universität Exeter in England betont hat. Der Inhaber des ersten Lehrstuhls für Komplementärmedizin in England befaßt sich vor allem mit der wissenschaftlichen Evaluierung komplementärer und alternativer Therapieverfahren mit Reviews und Metaanalysen. Das Budget für die Forschung ist allerdings auch in England sehr gering, so Ernst.

Etwas besser ist die Situation in den USA. Die National Institutes of Health stellen jährlich rund 100 Millionen US-Dollar bereit, um komplementäre und alternative Therapie wissenschaftlich zu untersuchen. Die Forschung koordiniert das 1992 gegründete National Center for Complementary and Alternative Medicine (NCCAM).

In der US-Bevölkerung sind die Naturheilverfahren sehr beliebt. "Die Komplementär- und Alternativmedizin hat hier die Schulmedizin in der Primärversorgung überholt." So kommentiert Ernst die Ergebnisse einer Studie aus den USA . Zu den Therapien mit dem höchsten Zuwachs zählten Kräuterextrakte, Massage und hochdosierte Vitamine. Eingesetzt werden die Verfahren vor allem bei chronischen Beschwerden wie Rückenschmerzen, Angst, Depression oder Kopfschmerzen. Die Anbieter der Verfahren, die meist keine Mediziner sind, würden häufiger aufgesucht als Ärzte.

Wir meinen, diese Initiative war längst überfällig !

   

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