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Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
nach: Ausführungen der Fachärzte der Wicker-Kliniken, Bad Nauheim

Der Patient, der eine Schilddrüsenerkrankung in Form einer Überfunktion entwickelt, bemerkt gewisse Veränderungen in der körperlichen Reaktionsweise ebenso wie Veränderungen an seiner Psyche.

In der Summe
sind alle Symptome einer Schilddrüsenerkrankung durch die Aktivierung des Sympathikus (= zum vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem gehörender Nerv, der für die Engstellung der Gefäße verantwortlich ist) bedingt, des Teils des vegetativen Nervensystems, das im Notfall aktiviert wird.

Bei dieser Schilddrüsenerkrankung liegt in der Tat ein Notfall für den Organismus vor, weil die Regulationssysteme des Körpers unaufhörlich in Richtung Notfall aktiviert werden. Dies gilt sowohl für den Stoffwechsel als auch für Herz und Hirn. Die Stoffwechselüberaktivierung führt zu:

a) einem vermehrten Sauerstoff- und Ernährungsbedarf bei der Schilddrüsenerkrankung.

Diese Patienten haben auch im Frühstadium einen Heißhunger und können beliebig viel essen, ohne auch nur ein Gramm zuzunehmen. Die Gewichtsabnahme stellt ein klassisches Symptom einer akuten Schilddrüsenerkrankung dar. So führt der überaktivierte Stoffwechsel im Organismus zu einigen unangenehmen Begleiterscheinungen, wie häufiges Schwitzen auch bei der geringsten Anstrengung. Die Patienten müssen sich häufig mehrfach am Tag umkleiden. Der relativ überhöhte Sauerstoffbedarf des verstärkten Stoffwechsels führt zu einer verstärkten Atmung und zu einem Gefühl von Lufthunger.
Die Aktivierung im gastrointensinalen (= Magen und Dünndarm betreffenden) Bereich führt zur vermehrten Darmpassage und zu anhaltenden Durchfällen, die für die Schilddrüsenerkrankung sehr typisch sind.

Manchmal steht die Aktivierung des Knochenstoffwechsels im Vordergrund und die Patienten kommen mit Schmerzen im gesamten Organismus zum Arzt, die auf einen vermehrten Knochenabbau und Umbau zurückzuführen sind. Deshalb muß bei Knochenschmerzen unklarer Äthiologie auch immer an eine
Schilddrüsenerkrankung gedacht werden.

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b) Auswirkungen der Schilddrüsenerkrankung auf das Herz

Das Herz als zentrales Organ der Regulationssysteme wird durch die Schilddrüsenerkrankung in mehrfa-cher Hinsicht betroffen. Es ist eine Herzfrequenzsteigerung (Tachykardie/Herzrasen) und eine Herzkraftverstärkung, bei der der Betroffene das Herz als zusammenziehendes Element so deutlich empfindet, dass das subjektive Gefühl ganz vom Herzen bestimmt wird. Die Erkrankten spüren ihr Herz ganz deutlich in der Nacht, was ihnen den Schlaf raubt und manchmal auch am Tage.

Auch objektiv zieht sich das Herz bei einer Schilddrüsenerkrankung vermehrt zusammen. Wir sprechen von einer Hyperkontraktilität, einem zuviel an Zusammenziehung des Herzens.

Es resultiert einerseits ein hoher Blutdruck mit charakteristischer Weise niedrigem zweiten Blutdruckwert (dem diastolischen Blutdruck) und das Herzminutenvolumen (= die vom Herz pro Minute ausgeworfene Blutmenge) ist sehr hoch, was einen wiederum hohen Sauerstoffbedarf erzeugt. Dieses Herz kann einerseits sehr schnell Energien zur Verfügung stellen und ist leicht aktivierbar, es ist andererseits aber auch schnell erschöpft. Patienten mit einer Schilddrüsenerkrankung halten von daher keine Dauerbelastung aus und sind schon nach kurzer Zeit erschöpft. Zum Beispiel um 11.00 Uhr vormittags müssen sie sich schon hinlegen, weil die Energien verbraucht sind.

Ganz typisch ist für das Herz bei einer Schilddrüsenerkrankung eine ausgeprägte Angina-pectoris-Symptomatik (= minderdurchblutungsbedingte Herzbeschwerden). Die Erklärung für die Angina pectoris bei Schilddrüsenerkrankung liegt zum einen in dem hohen Sauerstoffbedarf des Herzens, der bei stärkerer Belastung zu einem Sauerstoffmangel führen muss. Eine Sauerstoffnot am Herzen führt über den aktivierten Sympathikus zu Koronarspasmen (= Verengungen der Herzkranzgefäße), die bei der Schilddrüsenerkrankung so ausgeprägt sein können, dass sie einen Herzinfarkt vortäuschen. Nicht selten werden diese Patienten einer Koronarangiographie zugeführt mit dem Resultat, dass die Herzkranzgefäße völlig frei seien.

Das Krankheitsbild der Schilddrüsenerkrankung wird aber durch das im Kontrastmittel enthaltene Jod weiter verschlechtert und exazerbiert. Diese Patienten kommen dann schlechter aus dem Krankenhaus als sie hineingegangen sind und müssen einer sofortigen medikamentösen Therapie (Schilddrüsenhormon blockierend) zugeführt werden.
Besser ist es allerdings, vor einem Herzkatheter bei Schilddrüsenerkrankung (wenn er denn überhaupt durchgeführt werden soll) die Jodaufnahme durch das Kontrastmittel zu blockieren, was heute leicht möglich ist.

Leider ist auch heute noch der Zusammenhang zwischen einer Schilddrüsenerkrankung und Koronar-spasmus noch nicht allen geläufig, da es sich um die Schnittmenge des Wissens aus kardiologischem und endokrinologischem Wissen handelt. Die Zusammenarbeit zweier so unterschiedlicher Disziplinen ist aber in unserer so spezialisierter Medizin so fast nicht mehr möglich. So bleibt es letztlich dem schwächsten Glied, dem Patienten überlassen, die Diagnose eines Koronarspasmus bei einer Schilddrüsenerkrankung selbst zu stellen.
Bei der Therapie steht die Dämpfung des übererregten Sympathikus (= zum vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem gehörender Nerv, der für die Engstellung der Gefäße verantwortlich ist) im Vordergrund, der über die Fähigkeit, die Gefäße zusammen zu ziehen, den pathophysiologischen Hintergrund für den Koronarspasmus darstellt. Dies bedeutet für den Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion, dass er sich häufig genug selbst um sein Herz kümmern muss. Im Rahmen der in unserer Herz-Klinik entwickelten neuen, sanften, ganzheitlichen Kardiologie haben wir auch neue diagnostische Messmethoden entwickelt, welche zu einer klaren Diagnose und Therapie führen (spezielle EKG-Diagnostik).

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c) Auswirkungen der Schilddrüsenerkrankung auf die Psyche und das Gehirn

Die Veränderungen der Psyche sind wohl das führende Element bei der Entwicklung einer Schilddrüsenerkrankung und führen zu einer starken Belastung mit Angehörigen und am Arbeitsplatz. Charakteristisch ist die Abnahme der Eigenbeherrschung mit zunehmender Ungeduld anderen Menschen gegenüber bis letztlich schon die Fliege an der Wand eine Belastungssituation darstellt. Die Patienten werden psychisch so labil, dass sie den nervlichen Anspannungen des Alltags nicht gewachsen sind.

Die psychische Entgleisung bei der Schilddrüsenerkrankung ist bei der Diagnostik ein führendes Element und man tut gut daran, die Angehörigen bei der Befragung der Krankengeschichte mit einzubeziehen, weil der Patient selbst seine psychische Belastung negiert (= verneint).

Diagnostik bei einer Schilddrüsenerkrankung

Wir sind heute in der Lage, die Krankheitsbilder der Schilddrüsenerkrankung schon recht gut von einan-der abgrenzen zu können. Im einzelnen sind folgende Bereiche abzugrenzen:

a) Eine Schilddrüsenerkrankung auf dem Boden einer Schilddrüsenentzündung mit und ohne Schilddrüsenvergrößerung (hashimoto-Thyrioditis, Morbus-Basedow), die Patienten jeden Alters betreffen kann und Frauen bevorzugt. Nach unserer Erfahrung kann die akute Phase abklingen und sich der Stoffwechsel normalisieren oder sogar in eine Unterfunktion übergehen. Oft bleibt aber die Hyperkontraktilität (= übermäßiges Zusammenziehen) des Herzens auch dann erhalten, wenn die Schilddrüse schon ausgebrannt ist.

Diese Erkenntnis ist deswegen so wesentlich, weil ganz verheerende Nebenwirkungen für das Herz auftreten, wenn man versucht, bei einer letztlich resultierenden Unterfunktion der Schilddrüse dem Stoffwechsel durch Schilddrüsenhormongaben zu normalisieren. Es wird dadurch ein Feuer am Herzen angefacht, das durch nichts gelöscht werden kann und die Patienten entwickeln das Bild eines ausgeprägten Herz-Innendrucks bei diastolischer Herzinsuffizienz.

b) Schilddrüsenerkrankung bei heißem Knoten

Wenn sich ein Areal in der Schilddrüse dem Regulationssystem der stimulierenden Hypophyse (Hirnanhangdrüse) entzieht, kann er sich unabhängig von der Höhe des TSH (Schilddrüse stimulierendes Hormon) vergrößern und Hormone bilden.
Die anderen Teile der Schilddrüse werden daraufhin gebremst und werden nicht mehr aktiv, bis im Schilddrüsenszintigramm nur noch ein Areal dominiert, nämlich der Bezirk des sogenannten heißen Knotens.
Die Symptomatik ist dann ähnlich wie bei der Schilddrüsenüberfunktion bei Schilddrüsenentzündung. Früher war ein heißer Knoten eine zwingende Indikation für eine Operation oder Radio-Jod-Therapie. Wir wissen heute, dass es damit nicht getan ist, weil die Auswirkungen der abgelaufenen Schilddrüsenerkrankung über Rezeptoren an Herz und Hirn bestehen bleiben, auch wenn der heiße Knoten entfernt ist. Auch hier besteht die Gefahr einer diastolischen Herzinsuffizienz weiterhin mit Ausbildung eines Herz-Innendruck-Syndroms.

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c) Hyperthyreose Faeticia

1. Hyperthyreose faeticia bei entyrioden Schilddrüsenvergrößerungen
Diese Schilddrüsenerkrankung kommt dadurch zustande, dass ein Arzt aus therapeutischen Überlegungen heraus Schilddrüsenhormone verschreibt. Meistens passiert dies, weil man ein Größenwachstum der Schilddrüse verhindern will. Die Schilddrüsengabe wird zunächst über längere Zeit recht gut verkraftet, weil der Regelkreis dafür sorgt, dass die Schilddrüse weniger aktiv wird. Man kann die Reduktion der Stimulierung der Schilddrüse durch den TSH-Wert kontrollieren. Überschreitet der TSH-Wert die kritische untere Grenze, wird zu viel Schilddrüsenhormon substituiert und es kommt zum Auftreten von Symptomen der Schilddrüsenüberfunktion.

Nach unseren Beobachtungen bekommen die Frauen mit Eintritt in die Menopause regelmäßig Probleme mit der vorher gut vertragenen Schilddrüsengabe und werden hyperthyriod (Entwicklung der Symptomatik einer Überfunktion der Schilddrüse). Wir haben den Eindruck, dass in der hormonellen Umstellungsphase der Frau, die Schilddrüsengaben nicht mehr zur Reduktion der Schilddrüsenhormonbildung führen. Da diese Frauen durch das Ausbleiben der Regelblutung ohnehin schon zu viel Blut durch das Ausbleiben der Regelblutung haben, führt die Hyperthyreose faeticia zu einem sympathikoton hyperkontraktierenden (= übermäßig zusammenziehenden) Herzen mit Dehnbarkeitsstörung desselben.
Die Kombination einer Dehnbarkeitsstörung des Herzens mit einer Hypervolämie (= zu viel Blutvolumen), führt aber zu einer Aktivierung des Sympathikus (= zum vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem gehörender Nerv, der für die Engstellung der Gefäße verantwortlich ist), vornehmlich mit Herzrhythmusstörungen, Durschschlafstörungen, Schweißausbruch und Dyspnoe bei Belastung.

Diese Zusammenhänge werden verkannt, weil bei Frauen in und nach der Menopause sowieso jede Symptomatik auf die Menopause geschoben wird. Es gehört zu den wirklich befreienden therapeutischen Schritten, wenn das Schilddrüsenhormon in dieser Situation abgesetzt wird. In diesem Falle muss es aber langsam und mit begleitender Diagnostik durchgeführt werden, um keine passagere Unterfunktion zu riskieren.

2. Hperthyreose faeticia unter der Therapie einer Überfunktion
Eine Hyperthyreose faeticia wird bei dem heute üblichen Therapieregim oft gesehen, wenn eine Überfunktion mit Schilddrüsenblockern behandelt wird wie Carbimazol oder Favistan. Es hat sich eingebürgert, eine so hohe Dosis an Blockern zu geben, dass eine Substitution an Schilddrüsenhormonen notwendig wird. Je stärker aber die Überfunktion im natürlichen Verlauf oder durch die Medikation zurückgeht, um so mehr kommen die Patienten in eine Hyperthyreose faeticia.

Wir haben extrem symptomatische Fälle gesehen mit so ausgeprägten Schweißausbrüchen unter dieser genannten Medikation aus Carbimazol und L-Thyroxin, dass die betroffenen Patienten sich vor lauter Schweißbildung nicht mehr unter die Menschheit getraut haben. In den meisten Fällen war es möglich, die Schilddrüsenblocker stark zu reduzieren und die L-Thyroxin-Gaben zu beenden.

Im Prinzip stellt die Kombination von Schilddrüsenblockern und Schilddrüsenhormongaben eine Feuer-Wasser-Therapie dar (als Wasser fungiert dabei die Gabe von Schilddrüsenblockern, das Feuer stellt das L-Thyroxin dar), die im Verlauf insgesamt schwer zu regulieren ist. Sie sollte beendet werden.

3. Partielle Überfunktion im Sinne einer Hyperthyreose faeticia für Herz und Hirn
Die Form der partiellen Überfunktion durch Substitution ist mit der bisherigen Denkungsweise und Behandlungsform der Schilddrüsenunterfunktion nicht zu vereinbaren und muss daher gesondert dargestellt werden.

Wenn nach einer abgelaufenen Thyreoiditis das Schilddrüsengewebe zugrunde gegangen ist, tritt einerseits eine Schilddrüsenunterfunktion im Stoffwechselbereich auf, zum anderen kommt es im Bereich des Herzens über die Vermehrung von Rezeptoren zu einer sympathikotonen (= Verschiebung des Gleichgewichts zugunsten des antriebsfördernden Teils des vegetativen Nervensystems) Überreaktion mit anhal-tender Hyperkontraktilität (= übermäßigem Zusammenziehen des Herzens).
Wird nun versucht, die Stoffwechselunterfunktion durch Hormongaben zu substituieren bis der TSH-Wert im Normalbereich liegt, tritt unter Umständen eine derart ausgeprägte Hyperkontraktilität und sympathikotone Überaktivierung mit Herzrhythmusstörungen auf, die mit dem Leben nicht vereinbar sind. Bei diesen Patienten muss die Schilddrüsenhormongabe reduziert werden, bis die Herzsymptomatik tolerierbar ist oder es muss die Substitution gänzlich unterbleiben.

Bei uns gilt der Grundsatz, dass eine einmal abgelaufene Schilddrüsenerkrankung, zum Beispiel auf dem Boden einer Thyreoidites oder bei oder nach heißen Knoten lebenslang bestehen bleibt, da sie durch Rezeptorenvermehrung irreversible Veränderungen an wesentlichen Körperstrukturen, zum Beispiel an Herz und Hirn macht.
Wir haben die schwersten Formen einer diastolischen Herzinsuffizienz mit ausgeprägter Compliance-Störung des linken Herzens bei Patienten gesehen, die unter einer Schilddrüsenerkrankung mit Schilddrüsenhormonen substituiert wurden, um eine TSH-Normalisierung zu erreichen, ohne dass auf die Zunahme der diastolischen Herzfunktion geachtet wurde. Die Güterabwägung ergab in diesen Fällen ausnahmslos, dass die Schilddrüsenerkrankung das wesentlich kleinere Übel darstellt und einfach in Kauf genommen werden sollte, statt Herz und Hirn weiter mit Schilddrüsenhormon zu vergiften.

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